Portrait

In meinen Anfängen war die Wiener Schule ein wichtiger Bezugspunkt. Dies zeigt sich vor allem in der Expressivität meiner Musik aus der Studienzeit (bei Iván Eröd und Erich Urbanner; 1991-99). In den Folgejahren entstanden unterschiedlichste musikalische Formen von Miniaturen (13 Miniaturen nach Ungaretti) bis hin zum großangelegten Violinkonzert.

Später suchte ich nach anderen Lösungen, indem ich neben vielschichtigen und komplexen Strukturen sowie Klangkonstellationen auch versuchte, Einfaches zu realisieren. Dies äußerte sich zunächst in einer lakonischen Prägnanz (Sonate für Klavier) und ironischen Spielfreudigkeit (Einstellungen), später aber auch in ganz anderen Facetten.

Seit jenes Licht (2005) ist mir das Komponieren von Prozessen wichtig geworden. Dies ist wohl auch auf die jahrelange Auseinandersetzung mit den Werken Gérard Griseys zurückzuführen. In meiner Musik finden sich allerdings keine spektralen Techniken im Sinne Griseys.

Bei der Arbeit an den Operneinaktern Der Maler Brabanzio und Yunan und Duban habe ich das Genre des Musiktheaters für mich entdeckt. Ich stellte fest, dass mir das Komponieren einer Oper in gewissem Sinne leichter fällt als die Arbeit an Instrumentalwerken: Eine bestimmte Atmosphäre, eine spezifische Entwicklung der Handlung führt mich zu musikalischen Stimmungen, Farben, Klängen, die schlüssig aus den textlichen Vorgaben entstehen. Dies gilt aber nicht nur für die musiktheatralischen Werke, sondern generell für meine Vokalmusik.

In meiner Vokal-Kammermusik seit 2009 finden sich unterschiedliche Spielarten des Humors: schwarze, wienerische Abgründe (in Wiener Blut und in der Artmann-Vertonung ... do reit me a koischwoazza kefa ...), übersteigerte Virtuosität und experimentelle Vokaltechniken (im Bass-Solostück vor dem verschwinden) sowie schauspielerische Elemente (in den Fünf Animalia). In all diesen Stücken ist die Verbindung textlicher und klangatmosphärischer Ebenen und auch die Suche nach Leichtigkeit relevant. Zuweilen, wie in mei schdimm en da nocht, klingt aber auch Nachdenkliches und Existenzielles an.

In den letzten Jahren (2014-16) sind sehr unterschiedliche Werke entstanden: zum einen das 1. Streichquartett, eine ernsthafte, zum Teil auch von dramatisch-theatralischem Tonfall geprägte Arbeit an Form und Klang, zum anderen die von der Alban Berg Stiftung in Auftrag gegebene Oldtimer Suite - ein Versuch, einem tonalen, unbeschwerten Tonfall neue Perspektiven abzugewinnen.

Für die kommenden Jahre steht ein spannendes Projekt für eine größere Oper bevor. Das Sujet ist die Lebensgeschichte der Margarete Ottilinger, einer der bemerkenswertesten Persönlichkeiten der österreichischen Nachkriegszeit, das Libretto stammt von Peter Wolf.