2 Stücke für Violoncello und Klavier

Die Zwei Stücke für Violoncello und Klavier habe ich während meines Kompositionsstudiums bei Erich Urbanner in Wien komponiert. Sie gehören zu meinen frühesten Stücken und sind durch tonale, quasi-„romantische“ Aspekte gekennzeichnet. Zu Beginn hebt, gestützt durch eine Figuration des Klaviers, ein weiter melodischer Bogen an, der in ein „Rezitativ“ mündet, das als erstes „ironisches Hinterfragen“ des romantischen Beginns interpretiert werden könnte. Nach einem langsamen Mittelteil wird eine „Reprise“ erreicht, die nicht einfach wiederholt, sondern aus unterschiedlichen Ebenen besteht und mit einem unerwarteten rhythmischen und melodischen Ausbruch endet. Im zweiten Stück (Adagio) wird eine Harmonik etabliert, die für meine frühen Stücke wichtig ist. Zu diesem sensibel-poetischen Beginn kontrastieren die staccato-Akkorde des Mittelteiles. Nach einer großen Klimax kehrt die Adagio-Stimmung zurück. Die letzten Takte des zweiten Stücks erinnern in formaler Hinsicht an das Ende des ersten Stücks: sie sind unerwartet. Diesmal wendet sich der musikalische Verlauf in Richtung von Flageoletts und ausgeweiteten harmonischen Feldern. Am Ende steht eine Frage.

The Two pieces for cello and piano I have written during my studies with Erich Urbanner in Vienna. They belong to my earliest pieces and are influenced by tonal, quasi-romantic aspects. The beginning of the first piece is truly romantic: a wide melodic bow, grounded by harmonic figuration, leads into a recitative which can be described as the first ironic questioning of this romantic foreground. After a slow middle-section a recapitulation is reached which does not simply recapitulate but consists of different layers and ends with an unexpected rhythmical and melodic outburst. In the second piece the sensitive adagio-sphere is based on a harmonic language which is central for my early pieces. The staccato-chords of the middle section could again be interpreted as a kind of “ironic counterpoint” to this sphere. After a big climax the music turns again to the adagio. The last bars have one thing in common with the ending of the first piece: they are unexpected. Nevertheless this time the music turns to flageolets and extended harmonic fields. In the end there remains a question.

Entstehung: 1997
UA: 1997, Universität für Musik Wien
Interpreten: Attila Pasztor, Violoncello; Robert Wildling, Klavier
Interpreten auf der Aufnahme: Stefan Gartmayer, Violoncello; Kaori Nishii, Klavier
Weitere CD-Aufnahme: "Neue Kammermusik aus Niederösterreich" (INÖK-CD mit Ursula Erhart-Schwertmann, Violoncello und Edda Andrea Graf, Klavier; 2012)

Die Zwei Stücke für Violoncello und Klavier wurden am 12.5.2004 im Rahmen eines Live-Interviews mit Sean Rafferty in der BBC, Channel 3 durch Richard Harwood (Violoncello) und David Horne (Klavier) live interpretiert und am 13.5.2004 von diesen beiden Interpreten auch in einem Hauskonzert am Austrian Cultural Forum aufgeführt.

Partitur als PDF-Download