Concerto da camera für Kammerorchester

Der endgültigen Fassung des Concerto da camera für Kammerorchester gingen zahlreiche Skizzen und Entwürfe voraus, die allesamt wieder verworfen wurden. Schließlich entschied ich mich für die Konzeption des Kammerkonzerts und ich folgte – zumindest im ersten Satz – einem Alternieren von Ritornell- und Soloabschnitten, das aus der Ferne an die Vivaldische Konzertform erinnert. In den Ritornellteilen wird eine melodische Abfolge auf vielfältige Weise klanglich variiert. In den Soloabschnitten übernimmt jedes Mal ein anderes Instrument die führende Rolle, und der erste Satz wird so zu einem bunten Kaleidoskop, in gewissem Sinne tatsächlich zu einem „Konzert für Orchester“.

Im Gegensatz zum ersten Satz sind der zweite und dritte Satz durch das Prinzip des Kanons bestimmt. Während der Kanon im zweiten Satz noch transparent gestaltet ist, beginnt die polyphone Anlage im Schlusssatz immer mehr zu wuchern, um schlussendlich in Diffusität zu kippen: äußerste Komplexität begegnet hier lapidarer Einfachheit in Gestalt eines Zitats aus dem ersten Satz.

Inhaltlich ist dieses Konzert schwer zu fassen: Der konzertant-verspielten Virtuosität steht eine Tendenz zur strengen entwickelnden Variation, zum Prozessdenken und teilweise auch zum Ritualhaften gegenüber.


Entstehung: 2008/09
UA: 13.11.2010, Radiokulturhaus Wien
Interpreten: ensemble "die reihe"

Auftragswerk des Ensembles "die reihe"

Partitur als PDF-Download