Portrait

Obwohl ich Musikwissenschaftler bin, fällt es mir – ähnlich wie manchen meiner Kollegen – schwer, Aspekte des eigenen Komponierens in Worte zu fassen. Im Folgenden möchte ich dennoch eine kurze Verbalisierung versuchen.

Komponieren bedeutet für mich: einen Balanceakt riskieren, äußerste Konsequenz in der kompositorischen Technik und größtmögliche Emotionalität miteinander zu vereinbaren. In dieser Hinsicht ist Johann Sebastian Bach unerreichbares Vorbild: Sowohl die Schlüssigkeit des strukturellen Denkens als auch die Intensität der emotionalen Botschaft sind dort „auf die Spitze getrieben“. Wer seine Musik hört, weiß nicht, wo die Überzeugungskraft der Aussage endet und die technische Umsetzung beginnt.

Bei der ersten Begegnung mit meiner Musik wird man möglicherweise feststellen, dass deren Wurzeln in der Wiener Schule zu verorten sind. Sicherlich ist dies auf die Expressivität und motivisch-thematische Dichte zurückzuführen, die bereits meine ersten Kompositionen (um 1991/92) kennzeichnen. Auch in den folgenden Jahren verfolgte ich diese Tendenzen, wobei unterschiedlichste musikalische Formen von Miniaturen (13 Miniaturen nach Ungaretti) bis hin zum großangelegten Violinkonzert entstanden.

Um 2000 erreichten die Dichte und Komplexität meiner Musik in Stücken wie der Sonate für Geige und Klavier und im Trio Schatten für Bassklarinette, Schlagzeug und Akkordeon ihren Höhepunkt. Später (seit ca. 2004) suchte ich nach neuen Lösungsansätzen. Häufig entwarf ich im Kompositionsprozess komplexe Strukturideen, verwarf dieselben später wieder und suchte im Endergebnis nach einem einfacheren Klangresultat. In Stücken wie … jenes Licht … nach Texten von Paul Celan und Nelly Sachs für Sprechstimme, Flöte, Englischhorn und Klavier folgte ich der Devise „Die Musik braucht Zeit zum Atmen“, ohne dabei aber ein konsequentes Strukturdenken außer Acht zu lassen. Um 2004/05 äußerte sich diese Tendenz zur Einfachheit in einer geradezu lakonischen Prägnanz (Sonate für Klavier) und ironischen Spielfreudigkeit (Einstellungen), wobei aber die Expressivität und Intensität des Klanglichen doch nie gänzlich in den Hintergrund gerieten.

In kompositionstechnischer Hinsicht ist mir seit … jenes Licht … ein konsequentes Prozessdenken immer wichtiger geworden. Das Komponieren in Prozessen ist bei mir wohl auf eine intensive Auseinandersetzung mit Grisey zurückzuführen. In meiner Musik ist die Prozessualität aber auf gänzlich andere Weise verwirklicht: sie bestimmt Teile von Werken, aber nie das formale Ganze.

Seit meinem Operneinakter Der Maler Brabanzio habe ich auch das Genre des Musiktheaters kompositorisch entdeckt und sofort ins Herz geschlossen. Das Komponieren von Opern und musikdramatischen Werken ermöglicht es mir, nicht allein technische Probleme einer Lösung zuzuführen, sondern mir einen weiteren Horizont zu eröffnen. Im Musiktheater geht es um die kreative Auseinandersetzung mit Literatur, die Darstellung menschlicher Schicksale, letztlich aber wohl vor allem um etwas durch und durch Menschliches: das Erzählen einer Geschichte und deren Umsetzung auf der Bühne. Es war für mich interessant zu beobachten, wie mir das Komponieren einer Oper im Grunde leichter fällt als die Arbeit an Instrumentalwerken: eine bestimmte Atmosphäre, eine spezifische Entwicklung der Handlung führt mich gleichsam auf logischem Wege zu Stimmungen, Farben, Klängen, die schlüssig aus den textlichen Vorgaben entstehen. Im Musiktheater sehe ich daher für mich eine wichtige Zukunftsperspektive.