1. Streichquartett

 

Im Unterschied zu meinen Drei Miniaturen für Streichquartett (1998) habe ich mich in diesem Stück mit der großen mehrsätzigen Form auseinandergesetzt, die in Klassik und Romantik in Gattungen wie Symphonie oder Streichquartett allgegenwärtig war. Während also die äußere Formarchitektur gleichsam „klassisch“ in zwei schnelle Außensätze und einen langsamen Mittelsatz gegliedert ist, orientiert sich die Innenseite des Stücks an Erfahrungen, die aus dem Struktur- und Klangdenken des 20. Jahrhunderts stammen. In den Außensätzen finden sich statt einer Verarbeitung des Ausgangsmaterials Momente der spieltechnischen Differenzierung, die sich im Dialog oder (beinahe aktionistischen) Wettstreit zwischen Teilformationen des Quartetts ereignen. Und im Mittelsatz sorgen mikrotonale Einfärbungen für Licht- und Schatteneffekte. Ziel ist es demnach, der Hörerin / dem Hörer in diesem Stück eine Überlagerung unterschiedlicher Erfahrungsschichten, Form- und Strukturtraditionen zu vermitteln.

 

Entstehung: Juli - Dezember 2014

UA:Konzerthaus Wien, 24.4.2015

Interpreten: Hugo-Wolf-Quartett

Partitur als PDF-Download