A due. Doppelkonzert für Sopransaxophon, Fagott und Ensemble

Das Doppelkonzert für Sopransaxophon, Fagott und Ensemble wurde 2010 komponiert. Der Titel ist dadurch erklärbar, dass die beiden Solostimmen über weite Strecken des Stücks homorhythmisch aufeinander Bezug nehmen. Dadurch kann beim Hören zuweilen die Illusion entstehen, sie spielten „a due“. Zu diesem Eindruck des Ineinander-Verschmelzens der Solostimmen trägt auch die Harmonik bei, der Differenztonberechnungen zu Grunde liegen. Abweichungen vom temperierten System werden dabei auf Vierteltöne gerundet. Dieser Ansatz, mit dem ich hier zum ersten Mal experimentiere, ist von meiner jahrelangen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Spektralmusik beeinflusst, wobei ich aber nicht spektrale Techniken im eigentlichen Sinne verwende. Für mich persönlich besteht der wesentliche Einfluss des Spektralismus im Prozessdenken, das meine Musik in den letzten Jahren vermehrt geprägt hat. Dies zeigt sich auch im Doppelkonzert: Im ersten Teil sind Solo- und Ensemblestimmen in ein dichtes Geflecht mit zahlreichen Ebenen verwoben. Die Abschnitte werden immer kürzer und münden so zwangsläufig in einen neuen Teil, der zum Beginn durch die neue Klanglichkeit (hohe Flageolets, abwärtsführender Gestus) und die spiralartig sich öffnende Formanlage kontrastiert. Hier driften die beiden Solostimmen rhythmisch auseinander. Eine kurzfristige Verwirrung ist die Folge, aus der eine Kadenz hervorgeht. Attacca setzt danach der dritte Teil, in dem die Solostimmen ihre rhythmische Eigenständigkeit beibehalten, mit einem neuen, aus der Ferne an ein „Schlussrondo“ erinnernden Tonfall ein, der sich jedoch nicht durchsetzen kann: Nach und nach „zerbröselt“ das Rondo. Die Gemeinsamkeit zum ersten Teil besteht in der systematischen Verkürzung der Formabschnitte.

 

UA am 21.3.2012, Arnold-Schönberg-Center Wien, Ensemble reconsil, Dirigent: Roland Freisitzer, Saxophon: Sabine Zwick, Fagott: Matthew Smith